Wegen Reichtum geschlossen? Gästebewertungen

Als Gastronom bist Du Ziel von zahlreichen Bewertungen. Menschen, die nicht viel im Leben zu melden haben, die unter der Fuchtel von anderen stehen und einfach auch mal jemanden ansch… wollen, lieben das Internet und die anonymen Bewertungen auf diversen Portalen.

Heutzutage kannst Du alles bewerten, den Toaster aus dem Schnäppchenmarkt, den Hautarzt Deiner Oma oder eben auch die Pizzeria um die Ecke.

Du musst auch keine Vorkenntnisse haben, nicht kochen oder betriebswirtschaftliche Kennzahlen errechnen können. Es reicht, wenn Du essen und schreiben kannst.

Wir stehen also täglich im Fokus von Menschen, die uns sagen, wie wir unseren Betrieb zu führen haben, welche Ernährungsformen gerade aktuell sind und wie ein Essen zu schmecken hat, was Mutti früher auch immer gemacht hat. Oft ist es eine selbst ernannte Jury aus Menschen, „die auch gerne kochen“ (zu Hause, für zwei Personen, nach einem Kochbuch oder mit einer Kochbox…) und welchen „die ja nicht meckern wollen“, aber „auch ein bisschen Ahnung haben“…

Mit viel Geduld und einem geübten Lächeln hören wir uns die Verbesserungstipps an: Ausweitung der Öffnungszeiten, Vergrößern der Speisekarte, Einkauf von Bio- und regionalen Produkten „aus dem Hofladen im Ort“ (Ich bitte Euch, mir die Adresse des Masserberger Hofladens zu schreiben, damit ich da endlich auch mal einkaufen kann.).

Alles das gehört zu unseren täglichen Erfahrungen und ich wüsste gar nicht, wie wir uns in den letzten Jahren so entwickeln konnten, ohne die Tipps der uns heimsuchenden Experten.

Aber an dieser Stelle will ich auch gerne zugeben, es gab schon Tipps, die hilfreich waren. Dinge, die wir selbst nicht bemerkt haben oder die andere klarer sehen. Dafür Danke, auch für die motivierenden Worte, die objektiven Bewertungen, die freundlichen Worte, die Anerkennung…

Kommen wir zu den Bewertungen und Aussagen, die niemand braucht, die frech sind und die sich kein Gastronom gefallen lassen sollte:

 

  1. Freitagabend, Bude voll, Anruf 18:45 Uhr: „Wir möchten heute mit 10 Personen bei Ihnen essen.“ „Das tut mir leid, aber das geht nicht, unsere Tische sind bereits alle reserviert.“ „Ach, Ihr habt es wohl nicht nötig, kann ja wohl nicht wahr sein. Sie sind das dritte Restaurant in Masserberg, die uns nicht wollen. Sowas in einem Kurort, eine Frechheit ist das…“
  2. Samstag 17.10 Uhr, Tür des Restaurants geht auf, 8 Mann stehen da und möchten einen Tisch für 18.30 Uhr bestellen. Die Servicekraft teilt mit, dass alle Tische bereits reserviert sind. Raunen und Maulen in der Runde: „Die Tische sind ja alle leer…“. Na klar, die anderen Gäste haben ja auch für 18.30 Uhr oder 19 Uhr reserviert. Die Gruppe könnte jetzt gleich essen, müsste aber um 19 Uhr gehen, darauf haben sie keine Lust. „Gehen wir halt woanders hin, wenn Sie das hier nicht nötig haben. Sie sollten doch froh sein, wenn überhaupt jemand kommt in diesen Zeiten!“
  3. Wieder Samstag, 19.30 Uhr, Telefon: „Wir möchten 6 Pizzen zum Abholen bestellen.“ „Leider kann ich Ihnen keine Pizza mehr anbieten, das Restaurant ist voll und die Küche kann derzeit nicht außer Haus vorbereiten. Der Pizzateig (der 24 h bei uns reifen darf) ist ausverkauft.“ Der Anrufer legt auf und schreibt in google: Wollte Pizza bestellen, haben die abgelehnt. Ist wohl wegen Reichtum geschlossen.“
  1. Mittwoch 12 Uhr, es klingelt an der verschlossenen Tür „Wir möchten bei Ihnen Mittag essen.“ „Unser Restaurant öffnet erst ab 17 Uhr.“ „Waas?! Das kann doch nicht wahr sein, wir sind extra hergefahren. Früher war hier immer mittags geöffnet!“ (Stimmt, vor 8 Jahren gab es einen Besitzerwechsel, der alte Eigentümer hatte mittags geöffnet.) „Können wir nicht trotzdem reinkommen?“ „Nein, weil der Koch und der Kellner erst nachmittags kommen.“ „Aber wir wollen doch nur eine Kleinigkeit, einen Cappuccino und eine Suppe.“ Damit haben die Besucher sich gleich selbst beantwortet, warum es sich finanziell nicht lohnt, mittags zu öffnen. Gerne wird vergessen, dass wir neben Strom, Gas und Wareneinsatz auch noch eine Vergütung für unsere eigene Arbeitszeit erhalten sollten. Wir machen unsere Arbeit gerne, aber es ist nicht unser Hobby, sondern wir wollen damit unsere Lebenshaltungskosten bezahlen können.

 

Fazit: Wenn eine Behörde, ein Frisör, ein Handwerker oder wer auch immer, keinen freien Termin mehr hat oder man außerhalb der Öffnungszeiten anruft, dann hat die Bevölkerung gelernt, damit zu leben. Aber wenn ein Restaurant mit nur einem Koch zwei Ruhetage macht oder alle Tische bereits ausgebucht sind, dann arbeiten dort eben nur faule Säcke, die so reich sind, dass sie es einfach nicht mehr nötig haben…

Ich wünsche mir, dass ein Umdenken stattfindet. Dass nicht die fleißigen Mitarbeiter in einem Restaurant, das bis auf den letzten Platz besetzt ist, angemotzt werden, sondern man selbst eigenverantwortlich und rechtzeitig einen Tisch reserviert. Nicht wir müssen dankbar sein, dass jemand bei uns essen will, sondern – wenn das so weiter geht – dann können die Hungrigen dankbar sein, wenn überhaupt noch jemand ein Restaurant betreibt. Die Lage hat sich durch Corona nicht verbessert. Und auch vorher schon wollten die selbst ernannten Restauranttester und Kochprofis nicht in der Gastronomie arbeiten, sondern diese nur revolutionieren und maßregeln.

Wenn unsere Arbeit in der Gastronomie nicht an Wertschätzung gewinnt, dann werden bald alle ihre Feiern zu Hause durchführen müssen und Urlaub in Zimmern mit Kochnische verbringen. Oder zumindest die, die frech werden und uns wie Leibeigene behandeln.

Dann wird es ein Privileg der Netten und Großzügigen sein, in Restaurants essen zu dürfen.

Aber wir werden weiterhin genug zu tun haben, denn zum Glück gibt es viele Gäste, die freundlich sind und für die es uns Spaß macht, da zu sein, Service und Gastfreundschaft zu bieten.

Ich träume von einem Bewertungsportal, in dem wir unsere Gäste bewerten dürfen. Den arroganten Sack, der nicht „Guten Morgen“ sagt oder die Tussi, die uns zwingen will, Veganer zu werden „weil wir doch alle zu fett sind und ganz graue Haut haben“. Aber auch die nette, sehr alte Omi, die so freundlich ist und sich ganz herzlich verabschiedet, „weil sie vermutlich nicht noch mal wiederkommen kann…“. Oder die lieben Stammgäste, die so gerne bei uns sind, „weil es ein bisschen wie nach Hause kommen ist“.

Vielen lieben Dank dafür! Auch für Eure großzügigen Trinkgelder und die lieben Mitbringsel.

Und an die anderen nicht so netten: ihr bleibt bitte zu Hause und ruft uns auch nicht an.


ÜBER DEN AUTOR

Autor Katja Habelitz

Katja Habelitz

Katja Habelitz hat 20 Jahre bei einer Versicherung als Trainer und Coach für Software und Kommunikation gearbeitet. 12 Jahre davon war sie hier auch als Führungskraft für die Entwicklung neuer Anwendungen und für die Ausbildung von Trainern zuständig.

Seit mehr als 8 Jahren ist sie nun Inhaberin eines Hotels mit Restaurant in Masserberg im Thüringer Wald. Sie ist Autorin zweier Bücher und schreibt gerade am dritten. Die Schließzeit aufgrund der Corona-Pandemie nutzte sie, um sich in Sachen Onlinemarketing für Hotels und Restaurants fortzubilden.

Ihre Mission ist es, ihre Erfahrungen auf dem Weg in die Selbständigkeit aufzuschreiben. Damit andere davon profitieren und einfach umsetzbare Schritt-für-Schritt-Anleitungen bekommen. Katja liebt Listen und daher packt sie ihr Wissen in kurze Checklisten und Infografiken. Damit wird es für jeden Gastronomen kinderleicht, sein Onlinemarketing selbst in die Hand zu nehmen! Und Quereinsteiger bekommen Tipps und Tricks für einen guten Anfang.

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